MYTHISCHE GÖTTINNEN

(c) Atelier Schmitz

 

– MYTHISCHE GÖTTINNEN –

von Heinrich Schüler (1935 – 2016)

Öffnungszeiten: Mittwoch, Donnerstag, 16-19 Uhr
Ausstellungsdauer vom 3.8. – 22.9.2017


Schaufenster für aktuelle und regionale Kunst
Virchowstraße 37, 26382 Wilhelmshaven

Mythische Göttinnen besuchen ab dem 3. August die Sezession Nordwest. Jedoch aufgrund ihrer existenziellen Flüchtigkeit nur als Verbildlichungen. Festgehalten auf Papier von Heinrich Schüler, der 1935 in Königstein im Taunus geboren wurde und später als Restaurator und Künstler in Wiefelstede eine Heimat fand. Nach einer handwerklichen Ausbildung studierte er an der Frankfurter Städelschule bildende Kunst und erschloss sich verschiedene grafische Techniken. Neben der Tätigkeit als freischaffender Künstler arbeitete er als Fachlehrer und Kirchenrestaurator.

Bescheidenheit und Zurückhaltung des Künstlers spiegeln sich in seinen Arbeiten, besonders den Holzschnitten. Diese Technik, in spätem Mittelalter und früher Neuzeit von den herausragenden Meistern der Zeit wie Dürer auf höchstes handwerkliches und künstlerisches Niveau emporgehoben, geriet Jahrhunderte später fast in Vergessenheit und führte ein Schattendasein. Bis eine junge Künstlergeneration sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus ihrem „Dornröschenschlaf“ entriss und mit ihrer Hilfe einen neuen Stil, den Expressionismus begründete. Sie, genauer die Brücke-Künstler waren Anlass für Heinrich Schüler, sich die Holzschnitt-Technik anzueignen, zu perfektionieren und ein Leben lang begeisternd auszuüben – bis er im vergangenen Oktober sein Werkzeug endgültig aus den Händen legen musste.

Alle hauptsächlichen künstlerischen Genres hat er im Holzschnitt behandelt: Porträt, Stillleben, Landschaftsdarstellungen; besonders der Küsten- und Moorlandschaften. Seine Figuren sind nicht selten unbekannt – thematisch etwa mythische Göttinnen; formal als Auseinandersetzungen mit Werken namhafter Meister aus Gotik und Renaissance. Zuweilen lässt selbst Picasso grüßen – so in Göttinnen-Gesichtern, die in ihrem en face zugleich das eigene Profil aufzeigen wie im Falle der Phoibe, einer Titanin der griechischen Mythologie. Entgegen der klassischen Darstellung vom Pergamonaltar, wo sie mit einer Fackel gegen die Giganten zieht, lässt Schüler sie, sich ihrer ganzen Körperlichkeit bewusst, vor einem symbolistischen Pflanzenvorhang ruhen. Während die alte durch großen Detailreichtum als kraftvoll gekennzeichnet ist, erreicht dies Schüler bei der jungen durch seine nicht mehr zu überbietende Reduzierung aufs Wesentliche. Aus rein schwarzer Fläche formt er – und das plastisch – allein mit konturierenden Linien seine nicht minder kraftvolle Phoibe; und auch genügen wenige Linien für das selbstbewusste Antlitz. Das ist höchste Meisterschaft.

Streng frontal begegnet die sumerische Göttin Inanna, die in ihrer offensiven Weiblichkeit unschwer als Göttin der Liebe zu erkennen ist. Sie wurde als Morgen- und Abendstern verehrt; das angeschnittene Objekt am linken Bildrand entpuppt sich somit als Mondsichel, hingegen handelt es sich bei der vermeintlichen achtblättrigen Blüte um einen achtstrahligen Stern, mit dem schon zu babylonischer Zeit die Venus, Planet der Inanna, symbolisiert wurde.

Auf der Spurensuche nach weiteren „Göttinnen“ taucht Schüler noch tiefer in die Vergangenheit und zeigt uns die altsteinzeitliche Venus von Willendorf; doch diesmal ganz im Widerspruch zu ihrer monochromen Steinfarbigkeit in kräftigen Farbakkorden, die an mit dem Computer generierte Solarisationen erinnern.

Bis zum 22. September verweilen die Göttinnen in der Sezession Nordwest. Danach – ganz ihrer Natur entsprechend – verflüchtigen sie sich wieder.

Alexander Langkals


Zur Ausstellung erschien ein Katalog in der „edition lichtblick“ ISBN-9783839143803
Erhältlich für 12,99€ in jeder guten Buchhandlung oder hier.

 


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