Menschenlandschaften

Irmtraut Fliege
06. Oktober 2016 – 31. Oktober 2016
Ausstellungseröffnung 06. Oktober 2016, 19 Uhr

Am Donnerstag, 06. Oktober um 19 Uhr eröffnet die Künstlerin Irmtraut Fliege ihre Ausstellung „Menschenlandschaften“ in der Galerie Sezession Nordwest. Der Titel „Menschenlandschaften“ beschreibt ihre gezeigten Motive, Menschen, bzw. Figuren und Landschaften, sowie auch die Betrachtungsweise ihrer Werke. Die Landschaften, mit und ohne menschliche Gestalten, werden erst durch den Betrachter lebendig und erhalten ihre Botschaft. Ein besonderes Merkmal Flieges Werke ist der offensichtliche Umgang mit starken Oberflächenstrukturen, die scheinbar über dem Bild liegen.


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Durchgang, 2010, 107x66cm (c) Irmtraut Fliege

Während sich diese markanten Oberflächen über das Bild lagern, liegt die Aussage hinter dem Bild. Einmal zeigt die Darstellung noch figurative Züge, in der die Konturen Gestalten schaffen, und ein anderes Mal verwischt die Klarheit in Struktur und Farbe. Werke mit Konturen, Kanten und Flächen grenzen sich von jenen ab, die lediglich aus Struktur und Farbigkeit bestehen. Eine klare Flächenaufteilung lässt sich bei einigen Werken deutlich beobachten, andere Werke wirken nahezu frei von klaren Mustern und Rastern. Manche Werke ragen förmlich in den Raum, sind mehrdimensional. Sanfte Papierflächen, die aufeinander treffen, sich abgrenzen, sich Raum lassen und sich dann wieder berühren. Künstlich hergestellt, aber von natürlicher Anmutung sind ihre sogenannten Papierlandschaften.


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Papierlandschaft, 2016, 27x39cm (c) Irmtraut Fliege

Ihre Werke scheinen mit Nähe und Ferne, sowie  mit Enge und Weite zu spielen. Aufgelöste Flächen erlauben einen Weitblick in ferne Landschaften. Figurative Gestalten werden von Flächen beengt oder auch überwältigt. Die Figur bleibt identitätsfrei, aber in einer mehr oder weniger deutlichen Raumkonstruktion, die in ihrer Darstellung ein großes Spektrum an Deutungsmöglichkeiten eröffnet. Leere, Einsamkeit und vielleicht auch Orientierungslosigkeit scheinen einigen Gestalten zu widerfahren.


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Großer Raum, 2010, 56x73cm (c) Irmtraut Fliege

Manchmal wirkt der Untergrund nass, grob strukturiert, natürlich und unsauber. Der Untergrund scheint die Farben sanft aufzusaugen und sie einander anzunähern. Nur unser von Geburt an geschulter Blick erschafft aus weichen Farbflächen Räume, Tiefe und Ferne. Plötzlich entsteht beispielsweise ein Bild einer weiten Landschaft bei Sonnenuntergang. Die grobe Struktur gibt der Landschaft Leben – Flüsse, Sehen,  Wolken, Gewächse, Licht und Schatten.


 

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Große Landschaft, 2016, 56x76cm (c) Irmtraut Fliege

Solche Bilder sehen für jeden anders aus. Diese offene Gestaltungsweise fragt tiefgründig nach dem eigenen Leben, nach eigenen Erfahrungen, nach der Persönlichkeit. Die Figuren sind stets gesichtslos. Identität bekommen die Figuren erst durch den Betrachter. Wie diese Identität aussieht, hängt individuell von Erfahrungen ab. Davon, was man erlebt hat, was man träumt, sehnt, liebt und hasst. Wer sind wir und wo befinden wir uns gerade?

Flieges Kunst ist kein festgeschriebenes Werk, das immer gleich bleibt. Das Bild an sich bleibt natürlich wie es ist, so lang es nicht verändert wird, die Aussage wird doch nie gleichbleiben. Einmal beeindruckt ein Werk, das andere Mal schüchtert es vielleicht ein. Die Künstlerin nennt dies „Landschaften, die in uns von Tag zu Tag neu gesehen und entdeckt werden können“. Es sind sozusagen Stimmungsbilder, die von Emotionen gesteuert werden und erst dann ihre Aussagekraft erhalten.

Irmtraut Fliege ist seit 1995 freischaffende Künstlerin, die ihre Arbeiten schon über 15 Jahre regelmäßig in Ausstellungen präsentiert. Sie studierte an der Hochschule der Künste in West-Berlin, machte eine Ausbildung und arbeitete als Grafik-Designerin. Auch als Fotografin war sie um die 90er unterwegs, was ihren bewussten Blick für Perspektive, Farbe und Struktur erklären kann. Anfangs war ihre Kunst gegenständlich, heute findet man in ihren Arbeiten auch ungegenständliche Werke.


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