Inter Lodge

Kerstin Kramer
01. September 2016 – 04. Oktober 2016
Ausstellungseröffnung: 01. September 2016, 19 Uhr

Was bedeutet „Zuhause“, wenn man an einem Ort nur auf Zeit wohnt? Dieser Frage möchte die Künstlerin Kerstin Kramer bei der Ausstellung „Inter Lodge“ in der Galerie Sezession Nordwest nachfühlen. Die Künstlerin gibt Einblicke in temporäre Unterkünfte, nimmt den Betrachter an die Hand, lässt ihn in Farbwelten und in Geschichten eintauchen.

Ein „Inter Lodge“, ein „Zwischenhäuschen“, also eine kurzzeitige Unterkunft, kann sowohl kalt und ungemütlich sein, als auch warm und heimelig. So kann der selbe Ort durch unterschiedliche Belichtung und persönliche Befindlichkeit eine völlig neue Aussage erhalten. Die Räume sind so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Und geben nicht die Menschen den Räumen erst Farbe und Energie? Kühle Blautöne, stark nuancierte Weißtöne, satte Rot- und Brauntöne – Die Künstlerin verleiht den Räumen Atmosphäre und Stimmung, ohne die Interpretation einzuengen.


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Ihre expressive Maltechnik schafft einen weiten Rahmen von Freiheit. Die Technik engt nicht ein. Es ist Interpretation auf höchstem Niveau. Das Bild hat noch ausreichend Platz, um ihm Leben einzuhauchen, den Raum mit Menschen und ihren Geschichten zu füllen. Aus der Nähe betrachtet sind es markante Pinselstriche. Mit etwas mehr Abstand ist die Räumlichkeit erkennbarer. Man schaut mit einem weitwinkligen Blick in die Räume hinein.


Mein ganz eigener Kokon


Das Durchbrechen und der Blick in die Privatsphäre dieser Orte wirft Fragen auf. Was ist Privatsphäre? Wie gestaltet sich diese im Inter Lodge? Privates Hab und Gut kann in solchen Orten nicht zu üppig ausfallen. Es ist Reduktion auf das Wesentliche und damit wahrscheinlich auch auf das Privateste. Was brauchen wir zum Leben? Was ist „Zuhause“? Was kann zu einem werden?

Diese Fragen haben sich wohl auch die Flüchtenden der letzten Jahre gestellt. Ende 2014 waren weltweit über 59 Million Menschen auf der Flucht. In Deutschland kamen 2015 ca. 1 Million Flüchtende an. Es ist zwar eine bewusste, aber eine eher zwingende Entscheidung, das Zuhause zu verlassen, es hinter sich zu lassen. Neben Flucht kann die Entscheidung für eine temporäre Unterkunft auch eine freie sein, eine Entscheidung der Mobilität des 21. Jahrhunderts. Menschen werden mobiler, weltoffener und spontaner. Es scheint einfacher geworden zu sein, Weltoffenheit zu erleben. Aber: Wird das Leben dadurch einfacherer oder komplexer? Flexibilität kann Be- und Entlastung bedeuten. Zudem wächst die Wohnraumnachfrage stark an, wobei das Angebot dieser Nachfrage nur schwer nachkommen kann. Wohnraumknappheit macht sich breit und wirft erneut Fragen auf,  wie der Einzelne Zuhause definiert.


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Sich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen liegt für die Künstlerin Kerstin Kramer nahe: Sie ist seit 1996 selbständige Architektin. Als Künstlerin widmet sie sich Werken aus Acryl- und Mischtechniken, Kalk- und Sandsteinen, arbeitet an Objekten und Collagen. Seit 2004 präsentiert sie ihre Werke in Ausstellungen. So auch vom 01. September bis zum 04. Oktober in den Räumen der Galerie Sezession Nordwest, Virchowstraße 37. Jeder ist herzlich zur Vernissage am 01. September um 19 Uhr eingeladen.


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